Wasserbüffel als Blindenführer

Rehabilitation für blinde Menschen in Vietnam

Ein Mann wird von einem Wasserbüffel geführt
Statt Blindenführhund: Thai Huo Ngo lässt sich von einem Wasserbüffel führen.
Foto: CBM

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Wenn Thai Huo Ngo mit seinem Wasserbüffel von der Feldarbeit kommt, merkt man dem Mann kaum an, dass er blind ist. Der 51-jährige Reisbauer aus Nordvietnam findet trotzdem immer sicher nach Hause – das gutmütige Tier weist ihm zuverlässig den Weg.

Thai Huo Ngo erblindete vor 35 Jahren, weil seine Sehnerven verkümmerten – Ursache ungeklärt. Für den damals 16-Jährigen brach eine Welt zusammen. Eine Blindenschule oder Rehabilitationshilfen für blinde Menschen gab es weit und breit nicht. Thai Huo Ngos Lebensumfeld beschränkte sich plötzlich auf Haus und Hof. "Mein Selbstbewusstsein und mein Lebensmut waren bald auf dem Tiefpunkt angekommen. Ich hatte mich fast aufgegeben", erzählt Ngo nachdenklich.

Mehr Lebensglück, doch die Abhängigkeit blieb

Porträt von Thai Huo Ngo und einer Frau Le Thi Hoi.
Mahr Selbständigkeit: Thai Huo Ngo freut sich mit seiner Frau Le Thi Hoi.
Foto: CBM
Mit 28 fand er trotz seiner Behinderung endlich eine Ehefrau – durchaus nicht selbstverständlich in Vietnam. Dadurch fasste er wieder neuen Lebensmut. Mit Le Thi Loi hatte Ngo eine zupackende, zuverlässige Partnerin gewonnen. Trotzdem war er ans Haus gebunden, das Einkommen reichte gerade, um seine bald fünfköpfige Familie zu versorgen.

Der junge Mann ergab sich in sein Schicksal: "Ich war einfach nur dankbar für meine Frau und unsere drei gesunden Kinder. Ich glaubte nicht dran, dass sich meine eigene Situation als blinder Mensch noch irgendwie ändern könnte."

Thai Huo Ngo beginnt mit der Rehabilitation

Porträt von Ho Thi Hien
Reha-Helferin Ho Thi Hien: Sie unterstützt Klienten mit intensivem Training und kreativen Ideen.
Foto: CBM
Er war sehr skeptisch, als ihn Ende 2003 Ho Thi Hien, Reha-Helferin eines von der CBM unterstützten Programms, besuchte und ihm ein spezielles Training für blinde Menschen anbot. Sie und ihre KollegInnen trainieren vor allem die Mobilität und lebenspraktische Fertigkeiten mit ihren blinden und sehbehinderten Klienten. Damit verbessern sie deren Lebensqualität und Arbeitsmöglichkeiten.

Zusätzlich vergibt das Programm Kleinkredite, mit denen sich sehbehinderte Menschen eine eigene Einkommensquelle aufbauen können. Bei der Vergabe der Darlehen ist nicht nur die Bedürftigkeit der Klienten von Belang – auch die Aussichten auf Erfolg des Vorhabens werden selbstverständlich miteinbezogen.

Überrascht vom Erfolg

Ein Mann sitzt an einem Teich.
Kleine Fischzucht: Das Füttern übernimmt Ngo selbst.
Foto: CBM
"Es war nicht einfach, Herrn Ngo von mir und meiner Arbeit zu überzeugen. Doch mit viel Geduld habe ich es dann doch geschafft", sagt lachend die Reha-Helferin Ho Thi Hien. Ihr Klient wurde tatsächlich angenehm überrascht: Nach und nach erweiterte sich sein Aktionsradius. Bald war er sogar in der Lage, mit einem Blindenstock sein kleines Grundstück zu verlassen. Thai Huo Ngo lernte, seine Tiere allein zu versorgen, seinen Nutzgarten zu pflegen, verschiedene Geldscheine voneinander zu unterscheiden und viele andere Dinge des Alltags.
Außerdem erhielt er auch einen Kredit für den Kauf eines Wasserbüffels und einer Zuchtkuh.

Statt Blindenführhund ein "Blindenführbüffel"

<b>Perfektes Gespann:</b>Ngo und sein Wasserbüffel sind aufeinander eingespielt.<BR>
<i>Foto: CBM</i>
Perfektes Gespann: Ngo und sein Wasserbüffel sind aufeinander eingespielt.
Foto: CBM
Der Wasserbüffel ist nun Ngos ständiger Begleiter und führt ihn sicher auf den Wegen zur Feldarbeit und wieder nach Hause zurück. Dass der Büffel zu einer Art "Blindenführbüffel" wurde, verdankt Ngo auch seiner Reha-Helferin. Mit Ausdauer und der Hilfe von Ngos Frau brachte sie dem Tier bei, den Weg zu den Reisfeldern selbstständig zu gehen und seinen Herrn dabei "mitzunehmen". Auch auf dem Feld sind die beiden ein gutes Gespann: Der Wasserbüffel und Ngo sind so perfekt aufeinander eingespielt, dass sie die Feldarbeit ohne weitere Hilfe bewältigen können. Ngos Nachbarn veranlasste das schon zu Spekulationen: "Ist er überhaupt noch blind?"

Mögen die Betreuung durch einen Reha-Helfer oder der Kauf einer Kuh zunächst auch banal klingen – für bedürftige sehbehinderte Menschen in Entwicklungsländern bedeutet dies oft den entscheidenden Schritt in ein freieres, sorgenärmeres Leben.

Bitte helfen Sie mit!

Schon 30 Euro reichen für das Monatsgehalt eines Rehahelfers.
Mit 180 Euro ermöglichen Sie einen Kleinkredit für den Kauf einer Zuchtkuh.

Kennwort:
Blindenrehabilitation

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