Gehörlosigkeit und Hörschädigungen
600 Millionen Menschen haben Hörschädigungen
-
-
Gehörlosigkeit: Hörgeschädigten fällt es oft schwer, sich an Unterhaltungen zu beteiligen. Daher geraten sie leicht in soziale Isolation. Oft könnte ein Hörgerät helfen.© CBM / argum / Einberger
Hörschäden gelten weltweit als die am weitesten verbreitete Behinderung: Fast 600 Millionen Kinder, Frauen und Männer, d.h. etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung, weisen leichte bis schwere Hörschäden auf. Bei 278 Millionen handelt es sich um mäßige bis gravierende Schädigungen. 80 Prozent aller Betroffenen leben in Entwicklungsländern.
In der Kindheit haben Hörschäden schwerwiegende Auswirkungen auf die Entwicklung des Sprach- bzw. Sprechvermögens und der kognitiven Fähigkeiten. In den Entwicklungsländern erhalten hörgeschädigte Kinder häufig keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen.
Tritt der Hörschaden in einer späteren Lebensphase auf, ist es für den Betroffenen schwierig eine Arbeit zu finden bzw. zu behalten. Vielen hörgeschädigten Menschen fällt es schwer, sich an Unterhaltungen zu beteiligen, weshalb sie leicht in soziale Isolation geraten.
Hauptursachen für Hörschädigungen
Krankheiten, die in den Industrienationen relativ selten vorkommen, führen in den Entwicklungsländern sehr häufig zu teilweisem oder komplettem Hörverlust. Dazu kommt der Mangel an Information, an Ärzten und medizinischer Versorgung.
- Bis zu sechs Prozent aller in Entwicklungsländern lebenden Kinder unter zehn Jahren leiden an Mittelohrentzündung. Wird diese nicht rechtzeitig behandelt, kann nur noch eine Operation das Kind vor gravierendem Hörschaden bewahren.
- Mumps, Masern, Meningitis, Hirnmalaria und andere Infektionen können bei Kindern Gehörlosigkeit verursachen.
- Infektionen während der Schwangerschaft (z.B. Röteln, Syphilis), Komplikationen bei der Geburt sowie die Einnahme von Medikamenten mit ototoxischen Nebenwirkungen bergen das Risiko eines Hörverlusts beim Säugling.
Versorgung und Rehabilitation
Die Hälfte aller Hörschäden sind vermeidbar. Der Schlüssel zum Schutz vor Hörschädigung ist Bildung und Aufklärung – in erster Linie beim einheimischen medizinischen Personal.
Ebenso wichtig ist ein öffentliches Bewusstsein für die Problematik sowie Früherkennung und frühzeitige Behandlung. Aufgrund von Reihenuntersuchungen in Schulen können Ohrenerkrankungen, insbesondere Mittelohrentzündungen, festgestellt und behandelt werden. Viele potenziell hörschädigende Infektionen lassen sich durch Impfungen verhindern, z.B. Röteln, Meningitis, Masern und Mumps. Ist eine Hörbehinderung unausweichlich, lassen sich deren persönliche und gesellschaftliche Folgen durch Hörgeräte, Rehabilitation und Bildung lindern.
CBM bekämpft Ursachen
Der häufigste Grund für Hörschäden bei Kindern in Entwicklungsländern ist die Mittelohr-entzündung. In den meisten Fällen ließe sich eine Behinderung dadurch vermeiden, dass die Krankheit frühzeitig erkannt und behandelt wird. Deshalb fördert die CBM Basisgesundheitsdienste für Ohren und Gehör als Teil der medizinischen Grundversorgung sowie Reihenuntersuchungen bei Säuglingen und Kindern, z.B. in Sprechstunden für Kinder bis fünf Jahren und in Schulen.
In Zahlen
Im Jahr 2009 wurden in CBM-geförderten Projekten
- über 480.000 Ohrenpatienten medizinisch versorgt.
- über 9.500 Ohren-Operationen durchgeführt.
- über 12.000 Hörhilfen verteilt.
- 24 Programme zur Verhütung von Gehörlosigkeit unterstützt.
- 20.632 Kinder mit Hörbehinderung vor allem in Schulen ausgebildet.
Die CBM unterstützte im Jahr 2009 73 Schulen für gehörlose und hörgeschädigte Kinder.
Stand: Juli 2010
Download (PDF): Gehörlosigkeit und Hörschädigungen









