Dr. Hennig und Dr. Winter

Als Augenärzte auf dem Dach der Welt

Mann bei der Augenuntersuchung
Genau hinsehen: Immer wieder diagnostiziert Dr. Hennig den Grauen Star als Ursache für die Blindheit.
© CBM / Grossmann
Dr. Iris Winter in OP-Bekleidung
Dr. Iris Winter: Sie ist die einzige Spezialistin für Netzhautchirurgie im Osten Nepals.
© CBM

Für zwei Jahre kam Dr. Albrecht Hennig (61) aus Kusel/Pfalz 1982 nach Nepal, um in Lahan eine neue Augenklinik aufzubauen. Danach wollte er die Augenarztpraxis seines Vaters in Deutschland übernehmen. Doch er entschied sich anders. Seit 26 Jahren ist Dr. Hennig nun in Lahan und leitet dort die mit 55.000 Operationen jährlich zweitgrößte Augenklinik der Welt – das „Sagarmatha Choudary Eye Hospital“.
Der Arzt, der Blinde sehend macht
Das Lebenswerk von Albrecht Hennig
Ein Kamerateam des ZDF besuchte Dr. Hennig in Lahan. In der Reihe "Menschen - das Magazin" schilderte es seine Eindrücke vom "Eye Hospital" und der Arbeit des Arztes, "der Blinde sehend macht".
Dr. Iris Winter
Die deutsche Augenärztin war von 1999 bis 2001 für die CBM in Kamerun in der Augenklinik Acha Tugi - Bafoussam tätig. Anschließend arbeitete sie bis Juli 2005 in der Augenabteilung des "Kikuyu Hospital" in Nairobi/Kenia.
Nach einer Weiterbildung in Netzhaut-Chirurgie kam Dr. Winter im Herbst 2006 in die Augenklinik in Lahan/Nepal und operiert jetzt im neuen Zweig des Projekts, in Biratnagar.
Oft tagelang unterwegs
Es ist kühl an diesem Morgen in Lahan. Rund 1000 Menschen bevölkern das Klinikgelände des „Sagarmatha Choudary Eye Hospitals“. In zwei langen Reihen stehen die Patienten in der kühlen Morgenluft an der Anmeldung. Die meisten können nicht einmal mehr die Finger vor dem Gesicht sehen, fast alle leiden am Grauen Star. Tagelang waren sie zu Fuß oder per Fahrrad unterwegs zur Augenklinik, oft in Begleitung von Angehörigen. Oder sie sind in klapprigen Bussen angereist. Alle hoffen, dass Dr. Hennig und sein Team auch sie wieder sehend machen.

Porträt von Dr. Ute Wiehler
Dr. Ute Wiehler: die junge deutsche Augenärztin erlernt seit Jan. 2009 in Lahan Dr. Hennigs OP-Techniken.
© CBM
Zwei Erwachsene von Kindern umgeben
Prominenter Besuch: Noch heute schwärmen Rosi Mittermaier und Christian Neureuther von ihrem Aufenthalt in Lahan.
© CBM
Zehn Minuten pro Operation
Die Augenärzte sind bereits im Operationssaal, in dem sieben Holztische akkurat in einer Reihe stehen. Die Patienten darauf tragen orangefarbene Kopfbedeckungen, die aussehen wie Duschhauben. Alle haben eine Art „Laufzettel“ auf dem Bauch. Auf ihm ist die Stärke der künstlichen Augenlinse vermerkt, die ihnen heute eingesetzt wird.
Nur zehn Minuten dauert die eigentliche OP. Die Ärzte operieren, Pfleger übernehmen die Vor- und Nachbereitung. Durch diese effiziente Arbeitsweise können die 11 Augenärzte der Klinik und des Satellitenhospitals in Biratnagar rund 55.000 Operationen pro Jahr vornehmen – 90 Prozent davon am Grauen Star.
Am Anfang standen Dr. Hennig nur einige kleine Räume im Hospital zur Verfügung. „Wir hatten zunächst nur wenige Patienten, bis sich herumgesprochen hatte, dass in Lahan eine Augenklinik entsteht. Es gab keinen Strom, bestellte Materialien kamen nicht an, Schwierigkeiten ohne Ende. Manchmal war ich nah dran, alles hinzuschmeißen", erzählt der Augenarzt.
Doch das ist lange her. Nach und nach hat Dr. Hennig die Augenklinik erweitert. Heute verfügt das moderne Hospital über 149 Mitarbeiter und 410 Betten. Die meisten Patienten stammen aus Nordindien. Sie kommen hunderte von Kilometern weit, "busseweise", fast wie bei einer Kaffeefahrt – die Klinik ist weit über die Grenzen Nepals hinaus bekannt.
vier Kinder liegen auf einem Bett
Hartes Schicksal: Alle vier Kinder einer Familien waren blind - zwei konnten erfolgreich operiert werden.
© CBM / Grossmann
Eine Familie – vier blinde Mädchen
Auch Familie Khatun ist aus Indien. Der Bauer Lal Mahamad Khatun (70) und seine Frau Mabiya (55) bringen ihre vier Enkelinnen in die Klinik – die Mädchen sind alle blind durch angeborenen Grauen Star. Hinter ihnen liegt eine zwölfstündige Busfahrt, viermal mussten sie umsteigen. Noch nie waren die Kinder ausserhalb ihres Dorfes unterwegs. Verschüchtert von den vielen neuen Eindrücken schmiegen sie sich eng aneinander.
Die Ernte war gut in diesem Jahr, nur deshalb konnte Lal Mahamad die Fahrt nach Lahan bezahlen. Die Behandlung der Kinder wird gratis sein, denn für die Ärmsten der Armen übernimmt das Hospital die gesamten Kosten. Nach der ersten Untersuchung steht fest, dass nur für Anwara (4) und ihre große Schwester Champa (15) eine Operation in Frage kommt.

Zwischen Weinen und Lachen
Anwara ist am nächsten Morgen die erste Patientin. Sie schreit fürchterlich. Es ist nicht einfach, sie zu beruhigen, um die Vollnarkose zu setzen. Champa bekommt nur eine örtliche Betäubung, sie ist schon alt genug dafür. Dr. Hennig operiert die beiden höchstpersönlich.
Nur zwei Stunden später lachen die Mädchen schon wieder – die Operation ist überstanden, beide haben neue künstliche Augenlinsen im Auge und tragen dicke Verbände. Die nimmt ihnen ein Krankenpfleger kurz ab, um den Erfolg der OP zu kontrollieren. Anwara und Champa strahlen – sie können tatsächlich etwas sehen! Aufgeregt greift die Kleine nach dem Tuch, das Dr. Hennig vor ihrem Gesicht hin und her schwenkt.
Op-Raum mit mehreren OP-Tischen
Wie am Fließband: In Lahan gibt es zwei große OP-Säle, in denen an bis zu sechs Tischen gleichzeitig operiert werden kann.
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Anstrengend, aber sinnvoll
„Wenn Du am Tag 100 oder 200 Leute operiert hast, bist Du am Abend zwar kaputt, aber Du hast das Gefühl, etwas Sinnvolles, etwas Gutes getan zu haben.“, erzählt Dr. Hennig. „Mein Job hier ist sehr interessant und gibt mir ein hohes Maß an Befriedigung – viel mehr, als ich vermutlich in Deutschland hätte haben können.“
Doch das hat seinen Preis – das Leben in Lahan ist karg, einsam und ohne jeglichen Komfort. Auch die Schulausbildung der jetzt erwachsenen Söhne gestaltete sich schwierig, die nächste englischsprachige Schule ist in Katmandu, 450 Kilometer von Lahan entfernt.
Der einzige „Luxus“ den sich der sympathische Augenarzt gönnt, ist ein selbstgebauter Tennisplatz, augenzwinkernd „Tennisklub Lahan“ genannt: Ein etwas unebener Boden aus Lehm und Kuhdung, eine Betonwand, um Aufschläge zu üben. Hier entspannt er sich nach langen Arbeitstagen.
„Eigentlich wollte ich mit 60 in den Ruhestand gehen, mit meiner Frau nach Berlin ziehen, Freunde treffen, Sport treiben und vor allem Kultur nachholen“, meint Dr. Hennig nachdenklich, „doch ich weiß nicht, ob ich das schaffe. Erst muss die neue Augenklinik in Biratnagar laufen, die wir im September 2006 eröffnet haben!“
Ein schreibender Mann im weißen Kittel, vor ihm eine Frau in buntem Gewand
© CBM / Grossmann
Bitte helfen Sie uns!
Helfen Sie mit, dass Dr. Hennig in Nepal noch viele Menschen am Grauen Star operieren kann. Mit einer Spende von 30 Euro machen Sie einen starblinden Menschen wieder sehend.
Kennwort: Grauer Star
Link: Geschichte der Plakatkampagne
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Link: Grauer Star Simulator
Link: Jahresbericht 2008
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