Interview mit Ulrike Veismann vom 5. Februar 2010
Erdbeben auf Haiti: „Man kann nicht wegschauen!“
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Ulrike Veismann: Sie koordiniert die CBM-Nothilfe in Port-au-Prince.© CBM / Grossmann
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Im Gespräch: Dr. Jean Claude Cadet, Leiter der Augenarbeit der Universitätsklinik, und Ulrike Veismann© CBM / Grossmann
Frau Veismann, Sie sind letzte Woche nach Haiti gereist, um vor Ort die Nothilfe zu koordinieren. Was waren Ihre ersten Schritte?
Ulrike Veismann: Ich konnte in Haiti auf die Arbeit meiner CBM-Kollegen Dr. Martin Ruppenthal und Valerié Scherrer aufbauen, die schon am zweiten Tag nach dem Erdbeben ankamen. Neben Koordinationstreffen mit anderen Organisationen, schaue ich in unsere Projekte, um zu sehen, was dort am dringendsten benötigt wird.
Die CBM hat fünf Physiotherapeuten gesucht für die Verletzten in Haiti. Wie schnell werden sie da sein und wo werden sie gebraucht?
Ulrike Veismann: Es kamen hundert Bewerbungen und ein britischer Physiotherapeut wird schon am Samstag, 5. Februar, in Haiti ankommen und die Arbeit aufnehmen. Weitere vier werden im Laufe der nächsten Woche anfangen. Sie sollen in den neun Anlaufstellen, sogenannten „Community Focal Points“, die in den nächsten Tagen eingerichtet werden, die Grundversorgung sichern. Das heißt, dort gibt es neben der Information wie nach dem Klinikaufenthalt eine sinnvolle Nachsorge stattfindet, auch ganz praktische Anleitung, wie man zum Beispiel einen Verband anlegt oder welche Übungen helfen einer Behinderung vorzubeugen. Hier können auch Überweisungen an Spezialisten ausgestellt werden.
Zunächst werden das große Zelte neben den Kliniken sein, später sollen diese „Community Focal Points“ in den Gemeinden angesiedelt sein. Zusätzlich sollen die Physiotherapeuten auch einheimische Kräfte schulen, damit diese die Arbeit langfristig übernehmen können.
An was fehlt es ganz praktisch?
Ulrike Veismann: Was ganz dringend gebraucht wird sind nach wie vor Zelte. Die Situation für die Menschen hier bessert sich nur ganz langsam. Immer noch haben nicht alle Menschen Essen erhalten. Die Stadt ist ein großer Slum im Moment.
Wir erwarten am Freitag einen Container mit Betten, Krücken, Generatoren, kleinen Zelten und Krankentragen, sowie verschiedenen medizinischen Vorräten. Aber was genau alles in dem Lastwagen an Hilfsmaterial ist, wissen wir nicht. Es ist wie mit allen Zahlen hier: Sie sind schwer zuverlässig zu bekommen. Es wird geschätzt, dass zwischen 2000 und 4000 Menschen ein Arm oder Bein amputiert wurde. Natürlich hat keiner in den ersten Tagen hier gezählt und viele haben inzwischen die Stadt verlassen.
Mit welchen Schwierigkeiten müssen Sie sonst in Port-au-Prince umgehen?
Ulrike Veismann: Vor allem ist es natürlich das Leid, die Zerstörung und das Elend, das man sieht und das erschütternd ist. Es fehlt an allem. Aber es sind auch die kleinen Dinge, die den Helfern das Helfen erschwert, wie der Strom, der nicht funktioniert, und das Telefon oder das fehlende Auto, um überhaupt zu den Projekten zu kommen. Aber das bessert sich.
Was gibt Ihnen den Mut und die Kraft, sich hier zu engagieren?
Die CBM hat fünf Physiotherapeuten gesucht für die Verletzten in Haiti. Wie schnell werden sie da sein und wo werden sie gebraucht?
Ulrike Veismann: Es kamen hundert Bewerbungen und ein britischer Physiotherapeut wird schon am Samstag, 5. Februar, in Haiti ankommen und die Arbeit aufnehmen. Weitere vier werden im Laufe der nächsten Woche anfangen. Sie sollen in den neun Anlaufstellen, sogenannten „Community Focal Points“, die in den nächsten Tagen eingerichtet werden, die Grundversorgung sichern. Das heißt, dort gibt es neben der Information wie nach dem Klinikaufenthalt eine sinnvolle Nachsorge stattfindet, auch ganz praktische Anleitung, wie man zum Beispiel einen Verband anlegt oder welche Übungen helfen einer Behinderung vorzubeugen. Hier können auch Überweisungen an Spezialisten ausgestellt werden.
Zunächst werden das große Zelte neben den Kliniken sein, später sollen diese „Community Focal Points“ in den Gemeinden angesiedelt sein. Zusätzlich sollen die Physiotherapeuten auch einheimische Kräfte schulen, damit diese die Arbeit langfristig übernehmen können.
An was fehlt es ganz praktisch?
Ulrike Veismann: Was ganz dringend gebraucht wird sind nach wie vor Zelte. Die Situation für die Menschen hier bessert sich nur ganz langsam. Immer noch haben nicht alle Menschen Essen erhalten. Die Stadt ist ein großer Slum im Moment.
Wir erwarten am Freitag einen Container mit Betten, Krücken, Generatoren, kleinen Zelten und Krankentragen, sowie verschiedenen medizinischen Vorräten. Aber was genau alles in dem Lastwagen an Hilfsmaterial ist, wissen wir nicht. Es ist wie mit allen Zahlen hier: Sie sind schwer zuverlässig zu bekommen. Es wird geschätzt, dass zwischen 2000 und 4000 Menschen ein Arm oder Bein amputiert wurde. Natürlich hat keiner in den ersten Tagen hier gezählt und viele haben inzwischen die Stadt verlassen.
Mit welchen Schwierigkeiten müssen Sie sonst in Port-au-Prince umgehen?
Ulrike Veismann: Vor allem ist es natürlich das Leid, die Zerstörung und das Elend, das man sieht und das erschütternd ist. Es fehlt an allem. Aber es sind auch die kleinen Dinge, die den Helfern das Helfen erschwert, wie der Strom, der nicht funktioniert, und das Telefon oder das fehlende Auto, um überhaupt zu den Projekten zu kommen. Aber das bessert sich.
Was gibt Ihnen den Mut und die Kraft, sich hier zu engagieren?
Ulrike Veismann: Das Ausmaß der Katastrophe ist so unglaublich, man kann nicht wegschauen! Hier braucht es eine neue Solidarität mit den Haitianern in der ganzen Welt, weil das alleine nicht zu schaffen ist.
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