Weltwärtsreisende Julia Stutz berichtet aus Uganda
Paradies und Elend liegen nah beieinander
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UGANDA – "Schwarz hat so viele Farben, schwarz ist das Licht, das wir finden. Schwarz ist so bunt, schwarz ist dunkel nur für die Blinden..." , so lautet der Auszug aus einem Gedicht, das mir Land und Leute hier sehr gut beschreibt.
Bunt, paradiesisch
Es gibt so vieles hier, was man meint zu wissen und zu verstehen, doch wenn man genauer hinschaut, entdeckt man, dass sich einem die Buntheit eines Regenbogens auftut. "The Pearl of Africa" ist unglaublich schön, so wahnsinnig grün und überall rote Erde – ich glaube, Farbe an sich wurde in Afrika geboren. Überall sprießen Bananenstauden und überall sind Menschen unterwegs: Frauen, die Lasten auf dem Kopf balancieren und ihre Kinder auf den Rücken gebunden haben, überladene Trucks mit schwarz qualmenden Abgasen, Fahrräder, die meistens geschoben werden, da die aufgebundene Last und die bergige Landschaft kaum das Fahren zulassen und natürlich nicht wegzudenken sind die Boda Bodas - Motorradtaxis.
Wohlstand und Elend nur durch Mauern getrennt
Die Menschen sind unglaublich freundlich und überhaupt nicht aufdringlich, so dass man beim Handeln in der Regel nicht lange belästigt wird und sich meist schnell einigt. Ein Tourist, der zwei Wochen durch Uganda tourt, nimmt bestimmt nur schöne Erinnerungen mit. Für jemanden, der hier lebt und arbeitet, ist das alles ein bisschen anders.
Ich wohne hier in einer netten kleinen Wohnung, auf dem Grundstück einer kanadischen Familie, habe Strom und fließend Wasser, im Prinzip ein Inselparadies mit hoher Mauer. Aber außerhalb dieser Mauer leben 38 Prozent der Ugander von weniger als einem Dollar pro Tag. Ein eindrückliches Erlebnis war es für mich, als wir ein Kind mit einem Wasserkopf (Hydrocephalus) in kritischem Zustand in die Uniklinik eingeliefert haben und es aufgrund fehlender Hygienehandschuhe zunächst nicht untersucht werden konnte.
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Krankheiten und Behinderungen in extremen Stadien
Auch bei uns im OURS-Zentrum bekommt man Dinge zu Gesicht, die man in Deutschland so nicht mehr sehen wird. Kinder mit riesigen Wasserköpfen, Spina bifida (Offener Rücken), Klumpfüße im Extrem und Wunden aufs Übelste zugerichtet. Und das wirklich Traurige daran ist, dass viele Behinderungen vermeidbar wären. Die meisten Kinder mit geistiger Behinderung sind gesund geboren und haben in ihrer Kindheit irgendwann eine Malaria unbehandelt durchgemacht, die dann Hirnschäden hinterlassen hat. Malaria ist mit HIV wohl die größte Seuche Afrikas, die jedoch so einfach zu behandeln wäre. Der häufigste Grund von Spina bifida bei Kindern ist lediglich Folsäuremangel der Mütter während der Schwangerschaft, dabei könnten drei Frauen für rund drei Euro ein Jahr lang versorgt werden.
Behinderung bedeutet oft Stigma
OURS (Abkürzung für "Organised and Useful Rehabilitation Services") ist ein kleines Rehabilitationszentrum für Kinder mit Behinderung unter dem Dach der Ankole Diocese. Es bietet Kapazität, 20 Kinder stationär aufzunehmen und leistet ebenso ambulante Rehabilitationsdienste. Grob über den Daumen gepeilt würde ich sagen, dass 90 Prozent unserer Klienten aus ländlichen und somit armen Verhältnissen stammen. Wir sprechen hier aus gutem Grund von "Klienten" und nicht Patienten. Eine Behinderung ist keine Krankheit und nicht ansteckend.
Eine Behinderung ist wohl aber auch nicht einfach heilbar und bedeutet in den meisten Fällen ein Stigma, das nicht nur das Kind, sondern dessen ganze Familie betrifft. Nicht selten werden hier die Mütter verantwortlich gemacht, ein behindertes Kind zur Welt gebracht zu haben. Nicht selten spielen Ahnenkult und Aberglaube eine wesentliche Rolle. Häufig werden in solchen Fällen die traditionellen Heiler konsultiert, die dann mit glühenden Kohlen zum Beispiel den Muskeltonus eines Kindes mit Zerebralparese regulieren wollen.
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Nachsorge und Sensibilisierung oft so wichtig wie Behandlung
Genauso ist aber im Gegenzug die Erwartungshaltung der Eltern riesig, wenn sie dann zu uns ins Projekt kommen, da sie davon ausgehen, dass ihr Kind bei uns geheilt wird. Somit ist eine der größten Herausforderungen die Nachsorge und regelmäßige Kontrolluntersuchung.
Da erklärt sich von selbst, dass es nicht damit getan ist, dem Kind Rehabilitationsservice vor Ort zur Verfügung zu stellen, sondern dass wir vielmehr versuchen, das ganze Umfeld des Kindes mit einzubeziehen, um daraus Multiplikatoren zur Sensibilisierung für das breite und viel zu wenig diskutierte Thema Behinderung zu schaffen.
Große Ehre: Ein Name in Landessprache
Auf der anderen Seite steht ein Reichtum an Menschlichkeit, der wohl ganz Afrika prägt. Interessanterweise findet man die größte Herzlichkeit immer bei den Ärmsten der Armen. So hatte ich auch über die Weihnachtsfeiertage nie das Gefühl alleine zu sein. Wo die Familien zusammenkamen, wurde ich einfach integriert, umsorgt und als eine von ihnen behandelt, und somit bekam ich sogar einen Runyankole-Namen. Hier ist es nämlich üblich, dass jeder einen christlichen Namen hat und einen traditionellen second name auf Runyankole. Familiennamen gibt es nicht. Nach reichlicher Überlegung wurde ich ehrenvoll auf den Namen Musiime getauft, was soviel bedeutet wie "thank you/thank God". So habe ich jetzt, nach einer Zeit des Ankommens, meinen "Besucherstatus" abgelegt und bin hier "gesettled", fühle mich also schon richtig heimisch hier.
Mit wenig viel erreicht
Mir macht die Therapie mit den Kindern wirklich sehr viel Spaß. Es sind sehr wertvolle Momente, in denen man mit einfachen Mitteln einen großen Unterschied im Leben dieser Kinder machen kann, so zum Beispiel einem Kind mit Kontrakturen nach Brandwunden eine größere Bewegungsfreiheit zu ermöglichen, um ungehindert spielen zu können. Oder einem Jungen, der nur mit Daumen und Zeigefinger an beiden Armen geboren wurde, in seinem Selbstbewusstsein zu stärken, indem man ihm zutraut, ein Drahtauto zu basteln und dessen Freude und Stolz zu sehen, als plötzlich alle Umherstehenden ihm Beifall spenden ... und und und.
Und da ich mit einem jungen Team, bestehend aus Ergotherapeuten, Krankenpfleger und einem orthopädischen Fachmann, zusammenarbeite, die alle eine wundervolle Arbeit leisten, ist es ein Geben und Nehmen, Lernen und Lehren – ein sehr angenehmes Arbeitsklima.
Somit freue ich mich sehr auf die kommende Zeit, die ich hier verbringen darf, was ich als ein großes Geschenk ansehe.
Herzliche Grüße und Gottes Segen
Julia (Musiime) Stutz
Julia (Musiime) Stutz