Ehepaar Wiesinger macht die CBM zur weltweiten Organisation

1961: Beginn der internationalen Ära

CBM-Pioniere: Siegfried und Magdalena Wiesinger (1988).
© CBM
„In der Geschichte der Mission beginnt ein neues Kapitel. Noch sind es ungeschriebene Blätter. Den Inhalt wird der Herr diktieren.“ (Ernst Jakob Christoffel)
Das Kapitel in der Geschichte der Blindenmission nach dem Tod E. J. Christoffels im Jahr 1955 begann mit einem Tiefpunkt: Der Freundeskreis war stark zusammengeschrumpft. Hinzu kam, dass der charismatische, doch eigenwillige Missionar es versäumt hatte, für einen Nachfolger zu sorgen. Problemfall Blindenmission? Der Deutsche Evangelische Missionsrat jedenfalls beratschlagte, wie dieses „Problem“ aus der Welt geschafft werden könne.

Für die Rettung sorgte Ewald Renz, Fabrikant und Schatzmeister der CBM. Er gewann ein junges Ehepaar für die Leitung der Blindenmission, das letztendlich für ein neues CBM-Kapitel mit internationalen Ausmaßen sorgte: Siegfried Wiesinger, Kaufmann und in der Liebenzeller Mission zum Theologen ausgebildet, und seine Frau Magdalena, Krankenschwester und Absolventin der dortigen Bibelschule. Als beide 1961 in Bad Sachsa im Südharz ihre schlichte Arbeitsstätte in Augenschein nahmen, konnten sie nicht ahnen, welche weltweiten Aufgaben der CBM zuwachsen würden. Zunächst schrieb Magdalena Wiesinger hunderte persönliche Briefe an treue Freunde und erarbeitete Missionsnachrichten, während ihr Mann oft monatelang in Isfahan im Iran weilte, um das von Christoffel hinterlassene Blindenheim auf eine tragfähige Grundlage zu stellen. Auch in Ostdeutschland waren Veränderungen nötig. Die Freundeskreise in Ost und West hatten einen gemeinsamen Vorstand, bis sie durch den Mauerbau 1961 gewaltsam getrennt wurden. Siegfried Wiesinger berief 1969 den Diakon Helmut Dietrich zum Leiter und späteren Direktor der CBM/DDR. In den nächsten Jahren wuchs der Spenderkreis dort trotz schwieriger politischer Verhältnisse.
Beginn augenmedizinischer Arbeit
Szenenwechsel: Büroarbeit in Bad Sachsa, Aufbauarbeit in Isfahan – das Ehepaar Wiesinger plante weiter. Die Aufnahme augenmedizinischer Arbeit 1966 bedeutete den Durchbruch zu neuen Ufern modernen missionsdiakonischen Wirkens. 1967 beschränkte die CBM ihren Dienst nicht mehr auf den Iran. Hilfsprojekte in anderen Ländern entstanden.
Weitere Mandatsbereiche
1968 zog die CBM nach Bensheim an der Bergstraße. Die Hilfe erstreckte sich nun auf viele Entwicklungsländer. Die Zahl der Spender und Mitarbeiter hatte sich enorm vergrößert. Neue Mandatsbereiche kamen neben der Blindenrehabilitation und der augenmedizinischen Arbeit, den Schwerpunkten bis etwa Mitte der siebziger Jahre, hinzu. Die CBM unterstützte nun auch Projektpartner mit Programmen für gehörlose und  körperbehinderte Menschen.
Internationale CBM-Vereine wurden ins Leben gerufen. Magdalena Wiesinger gründete und leitete CBM-International in den USA, in Kanada und Australien. Siegfried Wiesinger war ein „Missionar mit Ecken und Kanten“: streng gegen sich und – aus Sorge um das Werk – auch streng gegen andere. Dabei führte er ein Werk, das er zu einem Zeitpunkt übernommen hatte, als nur ein Projekt bestand, zu einer weltweit tätigen und international anerkannten Fachorganisation, die sich generell für die Belange von Menschen mit Behinderungen einsetzt.
Ehrung für das Ehepaar Wiesinger
Als Zeichen der Anerkennung für 25 Jahre Aufbauarbeit erhielten Siegfried und Magdalena Wiesinger am 24. Januar 1986 das Goldene Kronenkreuz der Diakonie. Eine Ehre, über die sich Mitarbeiter, Spender und Freunde mit ihnen freuten. Schmerzlich traf alle der unerwartete Tod von Siegfried Wiesinger am 1. Februar 1989. Trotz Veränderungen ist die CBM unbeirrt ihren Weg als international anerkannte christliche Fachorganisation weitergegangen. Ohne die Pionierarbeit und den unermüdlichen Einsatz des Ehepaars Wiesinger wäre ihr Erfolgskurs nicht möglich gewesen.
Zeittafel
1961 Siegfried Wiesinger wird Leiter der CBM (West-Deutschland)
1966 Erste Katarakt-Operation der CBM
1967 Aufnahme der Tätigkeit in Äthiopien, Tansania und Indien
1972 Das erste Projekt in Lateinamerika wird unterstützt (Peru)
1974 Die ersten Gehörlosenschulen werden gefördert; orthopädische Operationen werden in CBM-Projekten durchgeführt
1975 Eigenständiger CBM-Verein in den USA. Weitere Vereine folgen.
1988 Einmillionste Staroperation
1989 Die Weltgesundheitsorganisation erkennt die CBM als Fachorganisation für die Verhütung und Heilung von Blindheit an; Tod Siegfried Wiesingers
Link: 10 millionen Grauer Star Operationen
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